Kommentar: Slutshaming - Wenn Frauen Schuld sind

09.09.2018 10:20

Kommentar: Slut Shaming – Wenn Frauen schuld sind

„So wie die angezogen war! Und wie die sich ihm an den Hals geschmissen hat! Für mich ist sie selbst schuld.“ 
So hört es sich an, wenn man nach Stammtischparolen-Manier Slut Shaming betreibt.
Frauen, die Opfer körperlicher oder psychischer Gewalt wurden,
wird im Nachhinein unterstellt, selbst dazu beigetragen zu haben, dass es so weit kam.

 

Das habe ich selbst schon in diversen Kommentarspalten sozialer Netzwerke lesen können:
 

„Was macht sie überhaupt noch so spät draußen?“,
„Wie kann man auch so naiv sein und mit einem Wildfremden nach Hause gehen?!“,
„Was dachte sie, was er mit ihr machen will? Kekse backen?“

 

Männer könnten ja nichts dafür, seien sowieso nur triebgesteuert und stiegen jedem besonders kurzen Rock hinterher.


Slut-Shaming bedeutet übersetzt „Schlampen beschämen“ und greift Frauen oder Mädchen für ihr freizügiges, sexuelles Verhalten an
und redet ihnen Schamgefühle ein. Allein das Tragen von, für umstehende Mitmenschen, zu kurzer Kleidung kann schnell argwöhnische Blicke
und den ein oder anderen degradierenden Kommentar nach sich ziehen.

Stellen wir uns vor, ich gehe nachts als Frau alleine durch den Park:
In einem Gebüsch lauert ein Mann auf, der mich vergewaltigen will.
Ist es ihm jetzt wichtig, dass ich einen Minirock und High Heels trage oder vergewaltigt er mich auch im Daunenmantel?



Dennoch kann zu knappe Kleidung natürlich sexuelle Übergriffe begünstigen.
Wen tanzen Männer in der Disco eher an? Die Frau mit dem tiefen Dekolleté und der engen Jeans
oder doch die mit dem hochgeschlossenen Shirt und der Plunderhose?


Slut Shaming muss trotzdem unbedingt verhindert werden. Dabei gilt es, im Kern anzugreifen.
Wenn eure Freundin das nächste Mal eine Passantin wegen ihrer Kleidung diskreditiert, fragt sie doch mal,
was es sie eigentlich angeht. Auch ich befinde mich übrigens nicht in der Postition, den ersten Stein werfen zu dürfen,
denn auch ich habe Vorurteile. Aber im Grunde geht es mich rein gar nichts an, was andere mit ihrem Körper machen.
So, wie es auch generell niemanden zu interessieren hat.


Täter sind Täter, weil sie über kriminelle Energie verfügen und nicht, weil das Opfer sie herausgefordert hat.
Ich möchte jedenfalls nicht in einer Gesellschaft leben, in der Täter in Schutz genommen und Opfer diffamiert werden.




Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Kommentar.
Die im Text vertretenen Meinungen müssen nicht unbedingt die Meinung der Autoren dieses Blogs wiederspiegeln.




Google Analytics deaktivieren